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Hart Backbord in Kourou/ Französisch Guayana
Ein kurzer Reisebericht
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Auf den ersten Blick erschien eine Konzertanfrage Anfang November 2001 ganz normal und im Rahmen der üblichen Routine: Ob Hart Backbord bei der Verabschiedung eines maritim angehauchten Kollegen
spielen könne? Na klar, das haben wir schon oft gemacht. Erst die Angabe des Konzertortes löste Alarm aus. Nach Südamerika musste es gehen und zwar schon in wenigen Tagen und mit nur maximal sieben Leuten!
Begreiflicherweise löste das alles nun eine massive Hektik aus. Wie sind wir spielfähig, wer kann sich überhaupt so schnell freimachen, wann gibt es einen Termin beim Hafenarzt und viel Aufregendes mehr.
So langsam wurden die Dimensionen des Abenteuers sichtbar. Die Anfrage ging nicht von irgendeiner Firma aus, sondern von der weltberühmten Firma Astrium, die auch in Bremen Teile der Ariane Raketen herstellt. Vor
allem aber schießt sie vom Weltraumbahnhof Kourou mit den Raketen Satelliten in den Weltraum.
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Irgendwie haben wir alles hingekriegt und saßen dann am 23. November im Air France-Jumbo von Paris nach Kourou. Als wir dann nach 8 Stunden Flug und vier
„verlorenen“ Stunden aus dem Flieger stiegen, traf uns weitgehend noch bremisch-novembrig angezogenen das feuchte Tropenklima wie eine Keule. Auf der Fahrt von der Hauptstadt Cayenne
nach Kourou wurde es schlagartig dunkel, und wir lernten unsere erste Lektion: Der Tag wird hier jeden Tag um Viertel nach sechs ausgeknipst, genau so, wie er jeden Morgen um Viertel nach sechs angeknipst wird! |
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In Kourou wurden wir im Gästehaus des deutschen Clubs von Astrium einquartiert, und konnten uns dort in den klimatisierten Zimmern bei
einem Pastis vom ersten Klimaschock erholen.
Französisch-Guayana ist übrigens das ideale Südamerika-Einsteiger-Land, zumindest für erfahrene Frankreichurlauber. Als französisches
Departement hat es natürlich öffentliche Strukturen wie in Frankreich. Und noch schöner für alle Reisenden, die ein sonst in Frankreich ja nicht
so gut gelittenes Hilfs-Französisch sprechen: Mit Ausnahme der weißen Oberschicht wird auf der Straße von Braun bis Schwarz ein herrliches
Räuber-Französisch gesprochen, bei dem es auf einen verbogenen Artikel wahrlich nicht ankommt.
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Am nächsten Tag war nun die Fête, bei der wir als Überraschung auftreten sollten. Es war dies ein Fest, das die deutschen Mitarbeiter von Astrium jährlich für die gesamte
Raketen-Community ausrichten, und da trifft sich dann „tout Kourou“ bei Kartoffel- und Krautsalat mit Fleisch und Würstchen von einem riesigen Grill(!) – und selbstverständlich
mit einem weltweit bekannten Bremer Bier. Das alles machte besonders den zahlreichen Franzosen viel Freude, so dass sich die Runde bald merklich auflockerte. Wir sangen
zunächst unser Repertoire mit internationalen Shanties, was in diesem Teil der Welt ganz groß ankam. Als wir dann schon spät in der Nacht unsere Trash-Version des
„Kufstein“-Liedes anboten, gab es besonders bei den Franzosen kein Halten mehr: In kürzester Zeit wurde daraus die neue Hymne „Chez nous à Kourou“ (avec Coucou).
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Nun war der „Dienst“ getan, und ab nun gab es Sightseeing. Hervorragend betreut vom Bremer Astrium-Mann
Ulf Vagt ging es am nächsten Tag (um 8.00 Uhr !!!) mit noch etwas schwerem Kopf mit der Fähre zu den vorgelagerten Teufelsinseln, ehemalige französische Strafkolo
nie und legendärer Marterort von Hauptmann Dreyfuss und Papillon. Heute ist das alles Naturschutzgebiet, in dem die Knastruinen malerisch vom Urwald
überwuchert werden. So wurde es ein streckenweise nachdenklicher, ansonsten aber sensationeller Badetag im Ambiente von Karibik pur – bei Temperaturen von Luft 38 Grad und das Wasser 10 Grad
weniger. Herz, was willst du mehr, wenn dann mittags im Inselrestaurant noch mit Pastis flambierte Crevetten serviert werden? |
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Am Montag sind wir dann mit einem riesigen Einbaum (dort Pirogue genannt) mit 80 PS hinten dran und geführt von einem einheimischen Guide auf großen und kleinen Flüssen mitten in den tropischen Regenwald hinein
gefahren. Irgendwie kommt man sich dabei vor, als sähe man sich selbst im Fernsehen, wo man so etwas ja sehr oft schon gesehen hat. Und dann wird einem schlagartig der Unterschied klar: Wirklich erleben kann man
es nur so - mit der Mischung aus Klima und Geräuschen und Gerüchen und besiegelt mit dem eigenen Schweiß!
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Am Abend war dann Raketenstart für die Ariane 4 mit einem amerikanischen Fernseh-Satelliten. Zu sehen ist das in ca. fünf Kilometer Entfernung. Pünktlich hob sich die Rakete unter einem knallroten
Feuerball und schien einen Augenblick in der Luft zu stehen. Aber dann gab einen nicht vorstellbaren, atemberaubenden Knall, bei dem uns die Astrium-Ingenieure ganz prosaisch mitteilten, dass nun die
„Feststoff-Püster“ gezündet worden seien. Man sieht noch das Absprengen der ersten Stufe, aber nach zwei Minuten ist zumindest am Himmel alles vorbei. Auf einer riesigen Videoleinwand kann man dann den weiteren
Flug mit allen Daten verfolgen und nach etwa zwanzig Minuten kommt das erlösende Wort „Separation“, das heißt
der Satellit ist erfolgreich ausgesetzt und die letzte Stufe der Rakete wird dann in der Atmosphäre verglühen. Der
Rest ist wieder wie im Fernsehen: Klatschen und Glückwünsche im Kontrollraum und dann fahren einige hundert geladene Zuschauer in eiskalt temperierten Bussen von ihren Beobachtungsstationen wieder nach Hause.
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Alles geht zu Ende und leider auch dieser etwas surrealistisch anmutende „Kurzurlaub“. Am nächsten Tag ging schon wieder unser Flieger und nun, nach inzwischen vielen Tagen, fragen wir uns gelegentlich
immer noch: Was ist da eigentlich mit uns passiert?
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Weitere Bilder auf Anfrage
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